Vincent über Chrille
Schweisst, nagelt, feilt alle aufgenommen Fetzen unserer Mucke (manche nennen es `Lärm´) zu wohlgefälligen Soundportionen zusammen. Er treibt zu Aufnahmesessions und Höchstleistungen an.
Er ist der Soundtüftler, der Techniker, der Mann mit der baritonen, erotisierenden Stimme hinter der Doppelniere.
Ein waschechter Genesis- und Marillion-Fan, der alle Texte auswendig weiss.
Vorlieben für Technik, die begeistert, Fahrräder und Laufschuhe sowie für Kommentare aus Harald-Schmidt-Sendungen...
Morten über Chrille
Einen Sänger zu haben ist das eine. Einen Sänger, Entertainer, Sprücheklopfer, Witzereisser, Tonmeister, Soundfrickler, Kabelfuzzi, Kassenwart und Bandraumbeschaffer zu haben ist das andere. Wir haben in ihm das andere und darüber bin ich sehr froh. Was täten wir ohne ihn? Er ist unersetzbar! So, jetzt sollte er rot angelaufen sein...
Irgendwann wird er mir auch noch mal erklären, wie ich aus dem verflixten Mischpult einen Ton auf die PA kriege. |
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Alex über Chrille
Unser damaliger Sänger Tino war 2001 ausgestiegen, nicht zuletzt, weil er nach Abschluss seines Studiums Job und Band zeitlich nicht mehr zusammenbringen konnte.
Was tun, damit so etwas nicht noch mal passiert, dachte ich mir. Genau, ein arbeits- und perspektivloses Individuum mit einer exzentrischen Profilneurose und einem latenten Hang zur Debilität ausfindig machen. Wo fängt man da an zu suchen? Na klar, auf dem Arbeitsamt.
Schnell stellte ich fest, dass ein Arbeitsloser nicht die ideelle Besetzung für den vakanten Posten eines Frontmanns ist. Zu hoch ist das Risiko einer plötzlichen Berufseinstellung und dem damit verbundenen Silberstreifen am Horizont. Das brachte uns nicht weiter. Tino hatte uns auch nach seinem Abschluss "sitzen lassen". Ich musste tiefer graben, im Moloch der Stadt um einen Sozialschmarotzer der übelsten Art zu erhaschen, der nie wieder die Ideale der Band für eine feste Anstellung, ein gutes Gehalt, Sozialversicherung, betriebliche Altersvorsorge und anderen Schwachsinn in den Schatten stellen würde.
Auf in die U-Bahn! Ja, ja, ich "bestreifte" die U8, vom Hermannplatz bis nach Wittenau, die U9 von Osloer Str. bis zum Rathaus Steglitz. Manchmal setzte ich mich für Stunden auf eine Bank auf dem Bahnsteig der U2 am U-Bhf. Zoologischer Garten. Keine Chance, alle potentiellen Kandidaten waren Drogen- oder Alkoholabhängig. Frühzeitiges Ableben durch vomitiven Erstickungstod sind bei Rockstars nicht selten, und auch die Proben gestalten sich problematisch mit einem lallenden Sänger.
Auf der S25 in der Nähe des S-Bhfs. Schulzendorf wurde ich schließlich fündig. Im Januar 2002 entdeckte ich dort einen verwahrlosten Harrison Ford für arme. Ich sprach ihn an und schilderte ihm die Vorteile eines schlechten Rockstars, zeigte ihm Videobänder von DSDS und den Produkten der Fernsehshow: sauschlechte Popstars!
Nachdem ich ihn davon überzeugt hatte, ein super guter schlechter Rockstar zu werden schleppte ich diesen grauhaarigen Dr. Kimble-Verschnitt zum Friseur. Der machte aus ihm einen schlechten, graumelierten George Clooney für arme. Morten, Vince und ich nannten es dann Chrille B..
Seitdem entwickelte sich unser Chrille B. immer weiter und baute seine Fähigkeiten auf dem Gebiet des Homerecordings und des Mixings mit unserm Geld aus. Stimmlich gesehen ... naja, verschafft euch selbst ein Bild! Doch wie bei einem jeden Frankenstein fängt das Monster bei zunehmender Mutation der Hirnmasse zu rebellieren an und seine eigenen Schritte zu machen. Das Monster Chrille B. denkt digital!
Seitdem es mehr Selbstvertrauen und Kenntnisse im Bereich der Tonabnahme und der Aufbereitung von Audiospuren gewonnen hat, versucht das Monster permanent meinen verdammt teuren, geilen und fetten Marshallsound durch billige, digitale Effekthascherei zu sabotieren. Agierte er anfangs noch dilletantisch, wunderte ich mich schon nach kurzer Zeit nicht mehr, wenn meine Gitarre nach Keyboard, Klospüle, Tropfsteinhöhle oder Schmeißfliege klang. Jedoch kaschiert es in jüngster Zeit die klanglichen Veränderungen zunehmenst. Diese konspirativen Sounds werden durch mich meistens zu spät oder gar nicht wahrgenommen. Um dem Monstersound entgegen zu wirken bleibt mir nur noch die Flucht in die Maximierung meines Lautstärkelevels. Hier ist der Marshall zurzeit unschlagbar.
Doch Chrille B., in seiner zusätzlichen Eigenschaft als Treuhandverwalter des Vermögens von Morten, Micha, Vince und mir, durchbricht häufig seine Kompetenzen und rüstet Schritt für Schritt gegen seinen Schöpfer auf. |